Oberbüren. «Oh Shit, jetzt
han ich d Finke vergesse», grinst ein Schüler seine Kameraden an, die mit
ihm zusammen zum neuen Oberstufenschulhaus Thurzelg schlendern. «Finke?
Nöd würklech!», zeigt sich ein anderer nicht eben erbaut von der Tatsache,
durch das neue Gebäude mit Hausschuhen schlurfen zu müssen. Sein Entsetzen
war unnötig. Hausschuhe sind im OZ Thurzelg nicht wirklich nötig, hingegen
Regeln für alle, wie dem neuen Schulhaus am besten Sorge getragen werden
kann.
Einmaliger Schulanfang
Das Kennenlernen der Regeln,
das Kennenlernen des neuen Schulhauses, das Kennenlernen neuer
Schulkollegen und neuer Lehrer war Schwerpunkt an diesem Montagmorgen, an
dem überall in der Region Schüler und Lehrer ein neues Schuljahr in
Angriff nahmen. Aber nirgends war es so wie im OZ Thurzelg, wo 250
Jugendliche samt Leh- rerschaft ein funkelnagelneues Schulhaus in Beschlag
nehmen konnten. Das war einmalig.
Drei «L» als Motto
Als schönstes Schulhaus weit
und breit bezeichnete Schulleiter Fredi Bühler bei der offiziellen
Begrüssung im Lichthof das OZ Thurzelg. Ziel aller solle sein, eine Schule
zu schaffen, wo es allen wohl sei. Er schlug der versammelten
Schülerschaft vor, sich an das Motto «Lerne-Leischte-Lässig ha» zu halten.
«Wenn ihr mitmacht, wenn ihr euren Auftrag, zu lernen und zu leisten,
ernst nehmt, dann haben wir es sehr oft lässig in unserer Schule.»
Respekt und Anstand
Damit dies funktioniert,
habe das Schulhausteam eine Wegleitung mit Schulregeln erarbeitet, sagte
Berni Hartmann, ebenfalls Schulleiter, und stellte drei Leitgedanken vor,
die den Schul- alltag im OZ Thurzelg prägen sollen: Alle an der Schule
Beteiligten begegnen sich mit Anstand und Respekt, die Schule soll
gewaltfreier Raum sein und es soll eine gesunde Lebensführung gefördert
werden. Die Leuchtziffern der SchulHausuhr zeigen «date» und «yy 02». Auch
der Unterricht läuft noch nicht planmässig. Besichtigungstour ist angesagt
und so laufen Schülerscharen hinter ihren Lehrkräften her und lernen das
Schulhaus kennen, in dem sie die kommenden Monate und Jahre ein- und
ausgehen werden.
Alles noch ganz neu
Das Schulhaus ist hell,
freundlich trotz vielem Beton, Holz schafft eine warme Atmosphäre. Und es
hat Platz. Es riecht alles nach neu, nach unverbraucht, nicht nach Schule.
Die Klasssenzimmer und sogar die (in andern Schulhäusern in den Keller
verbannte) Schulküche liegen nahezu im Grünen, die grossen Fensterfronten
lassen den Blick in die ländliche Gegend zu. «Herzlich willkommen» steht
auf der noch nie vorher benutzten Wandtafel in einem Raum, im Schulzimmer
Naturwissenschaften warten wassertropfenlose Reagenzgläser, Glaskaraffen
und ungebrauchte Plastikphiolen auf ihren Einsatz wie das fabrikneue Labor
nebenan und die fein säuberlich nach Farben und Länge aufgehängten Kabel.
Die Schüler geniessen sichtlich den Anblick von so viel ungebrauchtem
Material, freuen sich über die neuen Pulte und Stühle in den
Klassenzimmern. Ihre Lehrer bezeichnen die ungewohnte Situation als
spannend, schön, die Infrastruktur sei optimal. Und sie wissen: Heute ist
im OZ Thurzelg noch alles neu, nächste Woche aber ist es schon wieder
Alltag. Petra Künzle