
Lehrer auf den Ernstfall vorbereitet
Feuerwehr Oberbüren
instruierte Lehrer und Abwarte des Oberstufenzentrums Thurzelg
im richtigen Umgang mit Kleinlöschgeräten
Oberbüren. Küche,
Chemielabor, Computerraum oder Werkplätze für die Holz- und
Metallverarbeitung - im OZ Thurzelg gibt es einige potenzielle
Brandherde. Das Schulpersonal lernte nun das richtige Verhalten
im Ernstfall.
Jürg Schiess
Die rund 20 Lehrer
sowie die beiden Abwarte des Oberstufenzentrums durften am
Dienstagabend mit dem Feuer spielen - und zwar im wahrsten Sinne
des Wortes. Auf dem Gelände der Kompogas in Niederuzwil, wo
normalerweise die Betriebsfeuerwehr der Bühler AG den Lehrlingen
des Unternehmens das richtige Verhalten bei einem Brandfall
vermittelt, mussten sie mit Decken in Flammen stehende Fernseher
oder Menschenattrappen löschen, mit Hilfe von Feuerlöschern Gas-
und Fliessbrände ersticken und - etwas weniger spektakulär -
schlicht und einfach mit Wasser ein Holzfeuer bekämpfen. Trotz
des beissenden Rauches, dessen Geruch sich in den Kleidern
festfrass, und der mit Löschstaub geschwängerten Luft, bei der
man nur mit einem unguten Gefühl tief einatmete, war die
Stimmung bei den Teilnehmern locker: Sie scherzten, verfolgten
amüsiert die Löschversuche ihrer Kollegen und liessen sich auch
nicht aus der Ruhe bringen, als sich ein defekter Feuerlöscher
nicht mehr abstellen liess und ein Grossteil der Lehrer mit
Löschstaub eingenebelt wurde.
Zuerst Feuerwehr
alarmieren
Doch bei aller guten Laune, die
Lehrer und Abwarte beschäftigten sich nicht zum Spass mit
Feuerlöschern, sondern aus einem ernsten Grund: Sie wurden von
einem Team der Feuerwehr Oberbüren, das aus dem
stellvertretenden Kommandanten und Ausbildungschef Urban Widmer,
einem weiteren Ausbildner sowie zwei Brandmeistern bestand,
instruiert, wie sie im Falle eines Brandes richtig zu reagieren
haben. «Das korrekte Verhalten in den Sekunden und Minuten,
nachdem ein Feuer ausgebrochen ist, ist entscheidend», sagte
Widmer. In einem Ernstfall müsse zuallererst die Feuerwehr
benachrichtigt und danach mit der Evakuierung des Gebäudes
begonnen werden. Als dritter Schritt seien zudem sofort alle
Fenster und Türen zu schliessen, damit die Sauerstoffzufuhr und
die Ausbreitung des Feuers behindert werde. «Erst dann darf man
mit der eigentlichen Brandbekämpfung anfangen», betonte Widmer.
Gebückte Haltung
Aber auch das will gelernt sein.
Widmer: «Die Wahl des richtigen Löschmittels hängt davon ab, ob
ein fester Stoff, eine Flüssigkeit, ein Gas oder ein Metall
brennt.» So erfuhren die Kursteilnehmer, dass für in Flammen
stehende Feststoffe alle Löschmittel, vor allem aber Wasser,
geeignet sind, bei brennendem Gas oder Flüssigkeiten hingegen
einzig Pulver, Schaum oder Light Water wirkt. «Und Metallbrände
können wiederum nur mit Sand oder dem so genannten D-Pulver
gelöscht werden», erklärte Widmer. Besonders hob er zudem
hervor, dass «brennendes Metall und Öl nie mit Wasser bekämpft
werden darf». Warum das so ist, demonstrierten Widmer und seine
Leute mit zwei eindrücklichen Experimenten: Als ein
Feuerwehrmann Wasser über loderndes Magnesium leerte, sprühten
Funken wie bei einem 1. August-Vulkan, und beim Versuch, einen
Ölbrand mit Wasser unter Kontrolle zu bringen, schossen
Stichflammen meterhoch in die Luft. Wann welches Löschmittel zum
Einsatz kommt, war aber nicht das Einzige, das Widmer den
Lehrern und dem Abwartspersonal mit auf den Weg gab. Sie lernten
auch, dass ein Feuer - mit Ausnahme von Fliessbränden -
grundsätzlich von unten nach oben gelöscht werden muss, dass der
Feuerlöscher im Freien immer in Windrichtung genutzt werden
sollte und dass ein Brand stets in gebückter Haltung zu
bekämpfen sei «Unter anderem deshalb, weil es in Räumen in
Bodennähe weniger heiss ist und es mehr Sauerstoff gibt», so
Widmer.
Hemmschwelle
sinkt
Damit das Gesagte nicht nur
trockene Theorie blieb, hatten die Kursteilnehmer die
Gelegenheit, an insgesamt acht Posten verschiedene Brandformen
auszutilgen und Kleinlöschgeräte wie Light Water-, Pulver-, CO2-
und Wasser-Löscher sowie Löschdecken auszuprobieren. «Auf diese
Weise prägt sich nicht nur das Gelernte besser ein, es sinkt
auch die Hemmschwelle, im Ernstfall die zur Verfügung stehenden
Löschhilfen zu benutzen», ist Widmer überzeugt.
Notfallpläne
Schulleiter Fredy Bühler ist mit
dem Ergebnis des Kurses voll und ganz zufrieden: «Es war eine
interessante und lehrreiche Angelegenheit.» Wer nun aber gedacht
hat, die Brandausbildung der Lehrer und des Abwartspersonals sei
zu Ende, der irrt. Laut Bühler wurden im Vorfeld der Übung vom
Dienstag Evakuierungs- und Notfallpläne für das
Oberstufenzentrum ausgearbeitet. «In den kommenden Tagen werde
ich diese mit den Lehrern und den Abwarten besprechen.» Und
danach wird irgendwann das grosse Finale stattfinden. Bühler:
«Zusammen mit der Feuerwehr werden wir im Schulhaus eine
Notfallübung durchführen - natürlich unangekündigt.»
|